Popcorn, Cola und 3D-Brille – der 3D-Boom

Mit 3D will Hollywood Raubkopierern den Kampf ansagen. Was für große Kinos mehr Geld in den Kassen bedeutet, wird für kleine Kinos aber zur Gefahr.

Der Trick ist nicht neu. 3D hat schon zu Hitchcocks Zeiten fasziniert. Seinen Film „Bei Anruf Mord“ erlebten Kinobesucher bereits in den 50er Jahren in 3D. Mit einer Pappbrille auf der Nase konnte man damals in die dritte Dimension des Kinos eintauchen. Eine rote Folie vor dem rechten Auge und eine grüne vor dem linken – schon schienen die Schauspieler aus der Leinwand herauszukommen.
Doch die zusätzliche Dimension ging auf Kosten der Qualität, denn die Farben der Filme wurden durch die Folien der 3D-Brillen verfälscht und das Bild war oft unscharf. Außerdem bekam man von den 3D-Filmen schnell Kopf- und Bauchweh. So legte sich der Hype um 3D-Kino bald wieder. Bis heute.

Mit 3D gegen Raubkopierer

Die Hollywood-Studios haben angekündigt, alle sechs Wochen einen neuen 3D-Blockbuster in die Kinos zu bringen. George Lucas will aus seinen „Indiana Jones“-Filmen 3D-Versionen produzieren. Fast jeder Animationsfilm beeindruckt bereits in drei Dimensionen, der Horrorfilm „My Bloody Valentine“ schockte heuer ausschließlich in 3D. Und zu Weihnachten soll der Science-Fiction-Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ neue Maßstäbe für 3D-Filme setzen.
Es ist klar: 3D ist wieder da. Die Technik ist heute eine andere als vor 50 Jahren – echtere Farben, schärfere Bilder und weniger Kopf- und Bauchweh – die Gründe für 3D sind aber ähnlich: Einst war es das Fernsehen, gegen das sich die Kinos mit 3D wehren wollten. Heute sind es Raubkopien aus dem Internet. Denn die heimlich mitgebrachte Kamera nimmt bei 3D-Filmen nur ein verwischtes Bild auf. Wer „Avatar“ in 3D genießen will, muss also eine Kinokarte kaufen. Und die ist immerhin rund drei Euro teurer als die für einen 2D-Film.

Kein Geld für 3D

3D lässt aber nicht alle Kinokassen klingeln. Während die großen Kinoketten bereits zahlreiche Säle für 3D aufgerüstet haben, müssen kleine Kinos weiter die abgeflachten Versionen spielen. Denn um aktuelle 3D-Filme zeigen zu können, müssen diese digital abgespielt werden. Im Sommer waren dazu 13 Säle von insgesamt 171 Kinosälen in Wien in der Lage. Sie gehören fast alle großen Betreibern. Bis zu 200.000 Euro kostet es, einen analogen Kinosaal 3D-tauglich zu machen.
„Wir können uns den neuen Projektor aber nicht leisten“, sagt Beate Haller-Fischerlehner im Gespräch mit „punkt“. Seit 25 Jahren führt sie das Kino „Filmszene Ottensheim“, das 1919 in Oberösterreich gegründet wurde. Was sie machen wird, wenn es Hollywood-Blockbuster in einigen Jahren nur mehr in einer digitalen Version geben wird? „Dann heißt es entweder Zusperren oder Geld ausgeben, das wir nicht haben.“

Weniger Geld ohne 3D

Noch gibt es ausreichend analoge Filmkopien und die Digitalisierung wird Programmkinos erst in einigen Jahren treffen. Aber Kinos, die auf ein Programm für die ganze Familie setzen, leiden schon heute darunter, dass sie keine digitalen Filme spielen können. „Vor allem Kinderfilme werden immer öfter in 3D produziert“, erklärt Haller-Fischerlehner, „Das bedeutet weniger Besucher für uns. Und weniger Geld in der Kassa.“
Monika Leodolter-Dvorak sitzt im „Auge Gottes Kino“ in der Nußdorfer Straße in Wien an der Kassa. Seit 15 Jahren verkauft sie Kinokarten. Immer öfter rufen Menschen an und wollen wissen, ob ein Film in 3D gezeigt wird, erzählt Leodolter-Dvorak. „Wenn sie dann erfahren, dass wir keinen 3D-Saal haben, legen sie auf. Und suchen sich ein anderes Kino.“

Doch lieber 2D?

Leodolter Dvorak ist aber trotzdem davon überzeugt, dass sich manche Eltern mit ihren Kindern bewusst einen Film in 2D ansehen. Erstens wegen dem Preis. „Drei Euro mehr für die 3D-Version – Bei einer Großfamilie fällt das durchaus ins Gewicht“, so Leodolter-Dvorak. Zweitens würden die plastischen Bilder kleine Kinder oft überfordern. Das bestätigt auch Oliver Findl, Vorstand der Augenabteilung des Hanusch Krankenhaus Wien. Schädlich sind die 3D-Filme zwar nicht, so Findl, Kopfschmerzen und Schwindel seien aber eine durchaus übliche Folge. Zwar räumt auch Peter Janovsky von Megaplex ein, dass man sich an 3D etwas gewöhnen müsse. Er ist aber davon überzeugt, dass die neue 3D-Technik Augen und Magen nicht mehr übermäßig anstrengen.

„Ein Liebesfilm braucht kein 3D“

Wenn es nach Jeffrey Katzenberg geht, dem Chef des Filmstudios DreamWorks, dann sollen in drei Jahren alle Hollywood-Filme in 3D produziert werden, berichtete das Handelsblatt im November. Werden 3D-Filme also eines Tages 2D-Filme ablösen wie einst der Farb- den Schwarz-Weiß-Film? Johann Böhm glaubt das nicht. Er ist Mitglied der Jugendfilmkommission und für die Altersfreigabe bei Filmen zuständig. Fast 300 Filme hat er heuer bereits gesehen. Für ihn steht fest: Nicht jeder Stoff eignet sich für 3D. Actionsequenzen und Traumlandschaften können in 3D besonders beeindruckend sein, so Böhm. „Aber ein kitschiger Liebesfilm braucht kein 3D.“

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2010 unter dem Titel „Popcorn, Cola und 3D-Brille“ erschienen in „punkt – dem magazin des fh-studiengangs journalismus wien“.

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