Süßes Studentenfutter -Snackautomaten an Unis

Getränke- und Snackautomaten in Universitäten und Fachhochschulen bieten fast ausschließlich Ungesundes an. „punkt“ will wissen, warum.

An den meisten Unis und FHs stehen sie irgendwo in einer Ecke und surren vor sich hin: Getränke-, Snack- und Kaffeeautomaten. Egal, ob Schokoriegel, Energydrink oder Vanille-Kaffee: Was der Automat ausspuckt, ist jedenfalls süß und ungesund. „Das ist unphysiologisches, pulverisiertes Zeug. Das hat mit Nahrung nichts mehr zu tun“, sagt die Ernährungsberaterin Brigitte Bachmann im Gespräch mit „punkt“. Trotzdem wollen die wenigsten Universitäten und Fachhochschulen ihre Automaten gesünder befüllen. „Wir haben mal gesunde Weckerl versucht. Aber das machen wir nicht mehr, weil der Aufwand zu groß ist“, so Mathias Skerlan vom FH Campus Wien. Er erklärt, dass die Weckerl, die nicht rasch verkauft wurden, aus hygienischen Gründen schnell entsorgt werden mussten. „Das war wirtschaftlich nicht vertretbar“, so Skerlan. Außerdem, meinen die Betreiber vieler Automaten, werde eben angeboten, was nachgefragt wird.

Die Automaten im Neuen Institutsgebäude der Uni Wien sind auch Werbeflächen (Foto: Lukas Plank).
Die Automaten im Neuen Institutsgebäude der Uni Wien sind auch Werbeflächen (Foto: Lukas Plank).

Bio-Automaten

Thomas Miksits muss bitter lachen, wenn er dieses Argument hört. Er beliefert insgesamt sieben Automaten auf einigen Wiener Unis mit Bio-Getränken. Dass die gesündere Automatenware weniger nachgefragt wird, ist seiner Meinung nach falsch. „Unsere Bio-Getränke sind nur rund zwanzig Cent teurer als eine Flasche Cola aus einem gewöhnlichen Automaten“, erklärt Miksits im Gespräch mit „punkt“. Er ist überzeugt, dass sein Angebot bei den Studierenden gut ankommt. Dass die meisten Unis und FHs nicht auf Bio-Automaten umsteigen, liegt laut Miksits an etwas anderem: „Sie wollen Umsatzbeteiligungen, die nur große Anbieter bieten können.“ Und diese setzen nicht auf Bio, sondern auf bewährte Snack- und Getränkemarken. „Das Finanzielle wird hier der Gesundheit vorgezogen“, sagt Miksits.

Zahlen große Befüller den Unis unverhältnismäßig viel Geld für Automaten? Unis und Befüller sagen nein. (Foto: Lukas Plank)
 (Foto: Lukas Plank).

„Automaten-Mafia“?

Zwei kleine Lieferanten von Getränkeautomaten (sie wollen nicht namentlich genannt werden) berichten im Gespräch mit „punkt“ sogar von einer „Automaten-Mafia“. Bekannte Marken würden Automaten nicht als Geldquelle, sondern als Werbefläche verstehen – und sich diese einiges kosten lassen. So sollen große Automatenbefüller Unternehmensführern Geldkuverts zuschieben und sogar Firmengebäude und -autos finanzieren. Susanne Lonzen vom Abfüllbetrieb Coca-Cola-Hellenic weist diese Vorwürfe zurück. Die Unis würden lediglich eine Aufwandsentschädigung etwa für Strom und Reinigung bekommen, sagt Lonzen zu „punkt“. Allerdings bestätigt Lonzen, dass darüber hinaus „individuelle Vereinbarungen mit den Unis“ möglich sind. Was das bedeutet, will Lonzen nicht sagen.
Cornelia Blum, Pressesprecherin des Rektorats der Universität Wien, stellt gegenüber „punkt“ klar, dass die Uni Wien außer Umsatzbeteiligungen kein Geld für die Automaten bekommt. Vielmehr sei es schwierig, Anbieter für weniger rentable Standorte zu finden, so Blum.

Automatengenuss ist meistens vor allem eines: ungesund (Foto: Lukas Plank)
(Foto: Lukas Plank).

Mensch statt Automat

An der FH-Wien der WKW weist Karin Artner, die Betreiberin der Getränke- und Snackautomaten, auf Anfrage von „punkt“ darauf hin, dass im Restaurant der FH auch gesunde Mahlzeiten und Getränke angeboten werden. Für die Ernährungsberaterin Brigitte Bachmann genügt das nicht. „Die Pausenräume sind ein zentraler Ort für Studierende. Auch dort braucht man gesunde Getränke.“ Bachmann hält aber auch von Bio-Automaten nicht viel: „Nahrung, die aus einem Automaten kommt, kann nicht gesund sein.“ Eine wirkliche Alternative sieht sie nur in einem Stand mit frischen Snacks und Getränken.
Rentieren würde sich ein solcher Stand für Unis und FHs nicht. Wer in Zukunft nicht in den süßen Riegel beißen will, muss wohl weiter sein Pausenbrot packen.

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2012 unter dem Titel „Süßes Studentenfutter“ erschienen in „punkt – dem magazin des fh-studiengangs journalismus wien“.

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