Interview mit einem Privatdetektiv: „Wir sind keine schnüffelnden Cowboys“

Wenn sein Handy läutet, muss er immer abheben. Sonst könnte er den nächsten Seitensprung verpassen. Der Präsident des Österreichischen Detektiv-Verbandes im Portrait.

Foto: HELMBERGER & Partner KG
Foto: HELMBERGER & Partner KG

Lukas Helmberger hat als Kind lieber Indianer gespielt. Detektiv wollte er nie werden. „Das ist mir irgendwie passiert“, sagt er und lächelt. Heute ist er Präsident des Österreichischen Detektiv-Verbandes und geschäftsführender Gesellschafter der Detektei Helmberger & Partner KG. Er sitzt in einem großen schwarzen Drehstuhl hinter einem großen weißen Tisch. Neben ihm leuchtet ein riesiger Flatscreen. Leise bringt eine Sekretärin Kaffee. „Ich bin wahrscheinlich nicht der typische Detektiv. Aber wenn man acht Angestellte hat, ist man nur mehr selten auf der Straße unterwegs“, so der 38-Jährige. Zum Beispiel, um fremdgehende Ehemänner zu beschatten, diebische Mitarbeiter oder solche, die im Krankenstand Schifahren. Ehepartner, Mitarbeiter, Schuldner – sie alle kann man überwachen lassen. Sogar Bewerber. Immerhin würden rund dreißig Prozent der Bewerbungen nicht der Wahrheit entsprechen, erklärt Helmberger. Kann der Bewerber wirklich, was er behauptet? Hat er eine weiße Weste? Was hat es mir dem geheimnisvollen „Loch“ von drei Jahren im Lebenslauf auf sich? „Wir finden es heraus“, sagt Helmberger.

24-Stunden-Job

Aber Lukas Helmberger nimmt nicht jeden Auftrag an. Es muss ein berechtigtes Interesse vorliegen, erklärt er. „Wenn ein Ehemann fürchtet, dass ihn seine Frau betrügt, dann ist das zivilrechtlich relevant. Aber wenn einer kommt und sagt ,Hey, ich hab eine schnittige Nachbarin und möchte gerne wissen, ob die einen Freund hat‘, dann lehne ich ab.“ Denn, macht Helmberger klar: „Wir sind ein seriöses Gewerbe und keine herumschnüffelnden Cowboys.“ Plötzlich läutet das Telefon. „Grüß‘ Sie. Darf ich Sie zurückrufen? Oder ist es dringend?“ Es ist dringend. Eine Frau will ihren Mann beobachten lassen. Heute Abend, zwischen sechs und sieben Uhr. Helmberger ruft einen Mitarbeiter an und sagt ihm, dass es heute wieder länger wird. Das ist nichts Ungewöhnliches. Erst vergangenen Samstag hat Helmbergers Handy um ein Uhr nachts geläutet. Eine Stunde später war sein Team im Einsatz. Bis Sonntag Abend. „So ist das in unserem Beruf eben“, sagt Helmberger, der bald Vater wird. „Meine Frau wusste, worauf sie sich einlässt. Wenn sich bei mir jemand bewirbt, sag ich klar, dass das mit dem Partner abgesprochen werden muss…“

Zuhören ist wichtig

Wenn eine Privatperson zu ihm ins Büro kommt, handelt es sich zu rund fünfundneunzig Prozent um ein partnerschaftliches Problem, erklärt Helmberger aus Erfahrung. Ehefrauen, die sich mit ihrem Liebhaber treffen. Väter, die Bordelle besuchen – für Helmberger eine Routineangelegenheit. Oft folgt den Beweisfotos die Scheidung. Hat der Berufsdetektiv manchmal ein schlechtes Gewissen? „Nein! Warum sollte ich? Ich sorge ja nur für Klarheit“, sagt Helmberger. Er hat auch kein Problem damit, dem betrogenen Ehepartner die Beweisfotos zu zeigen. „Das ist so, wie wenn man Arzt ist und den Leuten sagt, dass sie krank sind. Die ersten drei Mal ist es ein Drama. Dann nicht mehr.“ Trotzdem muss man sich auf die Klienten einlassen, ist der Detektiv überzeugt. Oft ist er der Erste, dem eine Frau von ihrem Verdacht erzählt, dass ihr Mann sie betrügt. Dann sei es wichtig, zuhören zu können, so Helmberger, und auch ein bisschen Lebenshilfe zu bieten. Da kann es dann auch vorkommen, dass Klienten mehrmals bei ihm anrufen. Nicht, weil sie wissen wollen, wie der Stand der Ermittlungen ist. Sondern, um zu reden.

Action

Tag und Nach bereit sein, um den nächsten untreuen Ehepartner zu beschatten – warum tut man sich das an? „Weil das genau das ist, was ich an dem Beruf liebe“, sagt Helmberger. „Wenn heute eine Frau anruft und sagt, dass ihr Mann auf der Geschäftsreise untreu ist, musst du morgen im Flugzeug nach Brasilien sitzen. Wem das zu anstrengend ist, der soll sich besser einen anderen Job suchen. Und wer den Job macht, liebt ihn wegen dieser Action.“

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2010 unter dem Titel „Wir sind keine schnüffelnden Cowboys“ erschienen in „punkt – dem magazin des fh-studiengangs journalismus wien“.

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