Apps: Smart studieren

Der App-Trend macht auch vor Unis und Fachhochschulen nicht Halt. Umgesetzt werden die Smartphone-Auftritte aber sehr unterschiedlich.

In welchem Hörsaal findet die Vorlesung statt? Wo ist der nächste Drucker? Wie gelange ich zum Skriptum? Wo halten sich meine Freunde auf? Wann kommt die nächste Straßenbahn? Auf diese und andere Fragen gibt es für Studierende der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz seit kurzem eine einheitliche Antwort: Die neue App „Smart Information Campus„. Auf einer virtuellen Karte können die User dieser App unter anderem ortsbezogene Informationen finden, sich spontan vernetzten oder Nachrichten hinterlassen. „So können zum Beispiel Skripten virtuell hinterlegt werden“, sagt Josef Gumpenberger, Abteilungsleiter für Anwendersysteme an der JKU im Gespräch mit „punkt“. Wer möchte, kann außerdem von anderen Studierenden gesehen werden und mit ihnen chatten. „Digital Graffiti„, die Technologie hinter der App, wurde an der JKU in Kooperation mit dem Ars Electronica Center und Siemens entwickelt. Sie wird vor allem in der Industrie eingesetz – die Uni-App entstand nun als „Nebenprodukt“.

Immer mehr Unis machen ihre Websites Smartphone-tauglich.
Immer mehr Unis machen ihre Websites Smartphone-tauglich.

Andere Unis und Fachhochschulen (FHs) sind noch unsicher, was mobile Apps betrifft. „Wir testen im Moment verschiedene Projekte zu diesem Thema“, erklärt Uni-Wien-Sprecherin Cornelia Blum auf Anfrage von „punkt“. Zwar soll eine App entwickelt werden, allerdings wird zunächst ein neues online Service-Portal entstehen. Bei der FH-Wien hat man festgestellt, dass die FH-Website vermehrt über mobile Endgeräte aufgerufen wird. „Wir haben daher eine mobile Website in Planung“, sagt Sprecherin Elisabeth Leopoldinger. Angedacht werde außerdem eine App für „studio!“, ein Magazin der FH-Wien. Eine umfassende „FH-Wien-App“ sei derzeit aber nicht geplant.

Die interaktive Karte von "Smart Information Campus".
Die interaktive Karte von „Smart Information Campus“.

Benno Volk organisierte 2011 an der Universität Zürich (UZH) eine Vortragsreihe zum Thema mobile Geräte und Apps fürs Studium. Seiner Meinung nach braucht nicht jede Uni ihre eigene App. „Man sollte sich Gedanken darüber machen, wann eine App wirklich Sinn macht“, schreibt er auf Anfrage von „punkt“. So verzichte die UZH bisher bewusst auf eine App, da die Website sehr gut für mobile Endgeräte optimiert sei. Damit eine „Uni-App“ erfolgreich ist, sollte sie laut Volk vor allem spezielle Funktionen nutzen, die mobile Endgeräte bieten (zum Beispiel Kompass und Navigationsfunktion) und mobiles Lernen („Mobile Learning“) unterstützen. „‚Mobile Learning‘ ist aber viel mehr als ‚Lernen im Zug'“, schreibt Volk. Durch eine App, die „Mobile Learning“ unterstützt, könnten Studierende Lehrenden Feedback geben, weitergehende Lerninhalte bekommen oder auch Tests und Spiele zu Lerninhalten nutzen. Für Exkursionen könnten außerdem Augmented Reality-Funktionen integriert sein. Zudem sollte auch eine Tagebuchfunktion überlegt werden. Mit der Programmierung einer App ist die Arbeit dabei jedenfalls nicht getan: „Hinter Anwendungen zum ‚Mobile Learning‘ muss ein pädagogisch-didaktisches Konzept stehen“, so Volk.

Derzeit ist das Layout der FH-Wien-Website alles andere fingerfreundlich.
Derzeit ist das Layout der FH-Wien-Website alles andere fingerfreundlich.

Der gläserne Student?

Führt eine App, mit der sich Studierende orientieren, Informationen austauschen und vernetzen können, zu einer Überwachung durch Uni oder FH? Josef Gumpenberger von der JKU bestätigt, dass sich er und seine Kollegen immer wieder Fragen rund um Datenschutz und Sicherheit stellen mussten, als sie das System hinter der JKU-App planten. Das Team habe aber Mechanismen entwickelt, die verhindern, dass man innerhalb des sozialen Netzwerks der App unbemerkt „beobachtet“ werden kann. Außerdem musste sichergestellt werden, dass die Aufenthaltsorte der Nutzer nicht gespeichert werden, damit keine Bewegungsprofile von Studierenden erstellt werden können. Um sich gegen theoretisch mögliche Angriffe von außen zu wappnen, führte das Team zudem einige Hackerattacken aus – erfolglos, wie Gumpenberger betont.

JKU-App an anderen Unis

Laut Joseph Gumpenberger lassen die übertragenen Datenmengen darauf schließen, dass die neue App der JKU intensiv genutzt wird. „Ich habe gehört, dass die App auch von Studierenden an anderen Unis verwendet wird“, sagt Gumpenberger. Denn das System hinter der App funktioniert nicht nur am Standort der JKU, sondern global. Einige wichtige Funktionen können aber nur von Studierenden der JKU genutzt werden. Für ein vergleichbares Angebot an anderen Unis und FHs müssten diese eigene Inhalte wie zum Beispiel Stunden- und Gebäudepläne zur Verfügung stellen und sich mit dem System hinter der App verbinden. Erste Überlegungen in diese Richtung gibt es bereits: „Vor kurzem hat die Technische Universität Berlin bei uns angefragt, ob sie unser System nutzen darf“, sagt Gumpenberger.

____________________

2012 unter dem Titel „Smart studieren“ erschienen in „punkt – dem magazin des fh-studiengangs journalismus wien“.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s