Verkleidungskünstler – Tarnung im Tierreich

Sie wechseln ihre Farbe und tarnen sich als Pflanzen oder als andere Tierarten – Um Feinden zu entgehen oder Opfer nicht zu verschrecken, setzen manche Tiere verblüffende Tricks ein.

Plötzlich beginnt der Vogeldreck zu krabbeln. Tatsächlich ist das weiß-braune Fleckchen nicht die Hinterlassenschaft eines Tieres, sondern selbst eines: Eine Schmetterlingsraupe. Durch ihre sonderbare Verkleidung schützt sich die Raupe vor hungrigen Feinden – wer interessiert sich schon für Vogelkot? Ähnliche Verkleidungstricks (der Fachbegriff lautet Mimese) kann man im Tierreich immer wieder beobachten – wenn man genau hinsieht.

Zum Beispiel bei Wandelnden Blättern. Was auf den ersten Blick ein Blatt ist, entpuppt sich als Insekt. Bis in die feinsten Farbschattierungen und Strukturen ahmen Wandelnde Blätter echte Blätter nach. Sogar welke Stellen, Löcher und Triebe werden imitiert.

Vorgetäuschter Wind

Sobald sich die Verkleidungskünstler bewegen, sind sie aber meist enttarnt – ein „Blatt“, das von Ast zu Ast wandert, fällt auf. Viele der scheinbaren Pflanzen setzten deswegen einen weiteren Trick ein: Sie bewegen sich sehr langsam und schwanken dabei. Durch diese wiegende Bewegung gaukeln sie einen Windstoß vor, der Blätter bewegt. Wenn sich mehrere Wandelnde Blätter gemeinsam bewegen, wird die Illusion verblüffend glaubhaft. Auch Zebraspinnen schwingen in ihren Netzen, als wären sie Pflanzen im Wind. Wer hinter den Tarnfarben und „Tarnbewegungen“ ein Tier erkennen will, muss ein trainiertes Auge haben. Wie die Gottesanbeterin. Bei der kleinsten Bewegung schnappt sie erbarmungslos zu.

Die Wandelnde Geige – auch sie zählt zu den Gottesanbeterinnen –  gibt vor, ein welkes Blatt zu sein. Das schützt sie nicht nur vor Feinden, es hilft ihr auch bei der Jagd. Kleine Tiere kommen der Wandelnden Geige oft gefährlich nahe und werden so zu ihren Opfern.

Tarnung, Stimmungsbarometer und falscher Alarm

Was aber, wenn der Lebensraum mal grün, mal braun, mal weiß ist? Für das Chamäleon ist auch das kein Problem. Dabei passt sich seine „Hautfarbe“ nicht nur an die Umgebung an, sondern auch an die Stimmung des Tieres. So färbt sich ein männliches Chamäleon schwarz, wenn es einen Territorial-Kampf gegen einen Artgenossen verliert. Chamäleons sind aber nicht die einzigen Farbkünstler. Wenn Krabbenspinnen auf gelben Blüten sitzen, sind sie knallgelb. Befinden sich die winzigen Tierchen auf weißen Blüten, verlagern sie den Farbstoff ins Körperinnere und werden schneeweiß.

Manche Tiere tragen bestimmte Farben aber nicht, um sich zu tarnen. Im Gegenteil: sie wollen damit auffallen. Mit der auffälligen Verkleidung gaukeln sie Feinden vor, sie wären andere, ungenießbare oder gefährliche Tiere. Nähert sich eine Kohlmeise einem Abendpfauenauge, zeigt der Schmetterling seine Hinterflügel. Diese sind rot und haben ein Muster, das an die Augen großer Tiere erinnert. Diese „optische Täuschung“ verwirrt die Kohlmeise und kann dem Abendpfauenauge das Leben retten.

 Täuschen und Tarnen im TV

Was viele aus Texten, Filmen oder Fotos kennen, zeigt eine Universum Dokumentation nun in neuen Aufnahmen. Täuschen und Tarnen – Über Lebenskünstler in der Natur ist mit der Kamera dabei, wenn einige der besonders beeindruckenden Verkleidungskünstler ihre Tricks vorführen. Dabei zeigt der Film, wie vielfältig die Verkleidungskünstler in Wüsten, Regenwäldern, an Land, unter Wasser und in der Luft sind. So kann man hautnah erleben, wie kleine Krabbenspinnen plötzlich „erbleichen“, sich Wandelnde Blätter wie im Wind wiegen und „Vogeldreck“ zu krabbeln beginnt.

____________________

2012 unter dem Titel „Verkleidungskünstler“ erschienen im Universum Magazin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s