Niki Fellner und Oliver Voigt im Interview: „Mit Kannibalismus können wir sehr gut umgehen“

Niki Fellner und Oliver Voigt über den Launch von Österreich.at und die Zukunft der Marke oe24

[UPDATE: Oliver Voigt erklärt, warum Österreich.at nicht so funktioniert, wie geplant.]

Österreich.at bietet personalisierte News: Rund ein Drittel des Bildschirms sieht für jeden User etwas anders aus. Möglich ist dies durch einen umfangreichen Log-in-Prozess. In diesem klickt man beispielsweise an, für welche Länder, Stars oder Unternehmen man sich interessiert. Abgesehen von der personalisierten Spalte weisen Österreich.at und oe24.at aber viele Gemeinsamkeiten auf.

Wie werden Sie mit Kannibalisierungseffekten umgehen?

Niki Fellner: Beide Produkte haben ihren USP – Österreich.at ist ein starkes Nachrichtenportal für User, die sich für klassische Nachrichten interessieren und personalisierte News haben wollen. Und oe24.at ist ein multimediales Unterhaltungsportal. Insofern haben wir keine Angst, dass Österreich.at oe24.at etwas wegnimmt. Im Gegenteil: Wir verfolgen hier eher den Mediamarkt-Saturn-Ansatz – Österreich.at und oe24.at werden sich gegenseitig in die Höhe pushen.

Oliver Voigt: Und wir schließen nicht aus, dass es noch zwei oder drei andere Marken gibt. Mit Kannibalismus können wir sehr gut umgehen.

Sie wollen mit Österreich.at 500.000 Unique Clients in den ersten vier bis sechs Wochen erreichen, eine Million bis Jahresende. Wie viele registrierte User wollen Sie bis Jahresende erreichen?

Niki Fellner: Wir wollen uns 10.000 als Untergrenze legen. Alles, was darüber hinaus geht, wäre ein Sensationserfolg. Wir rechnen aber damit, dass es deutlich mehr werden.

Oliver Voigt: Da werden wir natürlich mit dem einen oder anderen Gewinnspiel arbeiten, da wird es halt ein iPhone geben und vielleicht ein Auto nach drei Monaten… Wir haben da ja ein paar Rezepte, die ganz gut funktionieren…

Wer liefert die Inhalte?

Oliver Voigt: Für Österreich.at haben wir eine sechsköpfige Kernmannschaft aufgestellt. Aber es liefert immer das gesamte Haus zu. Der Informationskanal kann mal aus Österreich kommen, mal aus Madonna, mal aus dem Sport…

Wie wird man Österreich.at vermarkten?

Oliver Voigt: Wir werden eher größere Formate bevorzugen, während wir bei oe24.at auch mit kleinteiligen Anzeigen arbeiten. Und die Targeting-Ebene ist die nächste Stufe. Hier können wir sehr personalisierte Werbung zuschalten und dem Werbemarkt maßgeschneiderte Angebote bieten.

Planen Sie, die Personalisierung auf andere Angebote auszuweiten?

Oliver Voigt: Jetzt fangen wir doch erst Mal an! (lacht). Auf den Mount-Everest geht man ja auch nicht in einem Spaziergang. Wir wollen hier ganz einfach Erfahrungen sammeln und gucken, wie’s geht. Aber unsere Phantasie ist auch da, wie immer, eher unbegrenzt.

Auf Oe24.tv soll es bald ein Society-Web-TV geben – sind weitere Projekte geplant, etwa im Radio-Bereich?

Oliver Voigt: Wir überlegen mit unseren Radios die Markenerweiterung oe24 oder oe24-Radio. Ich halte das für Wien und Tirol plausibel, würde es für Salzburg aber ausschließen. Aber es geht vor allem um oe24.tv. Immer mehr Menschen konsumieren TV-Inhalte im Web. Und die Konvergenz der Hardware steht vor der Tür. Dann werden wir aus unserem Newsroom heraus schnell Bewegtbild machen können. Mit unserem neuen Society-TV wollen wir hier weiter Erfahrungen sammeln.

Die Tageszeitung Österreich gibt es seit 2006, 2010 kündigte Wolfgang Fellner Österreich.at an. Warum hat es so lange gedauert?

Niki Fellner: Wenn man so eine besondere Marke hat, will man nicht einfach mit einem Schnellschuss irgendetwas machen. Wir haben sehr oft besprochen, wie wir mit der Marke umgehen werden. Mit den personalisierten Nachrichten ist nun die zündende Idee dagewesen.

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2013  unter dem Titel „Mit Kannibalismus können wir sehr gut umgehen“ erschienen im „Medien Manager“.

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