Walter Zinggl: „Fernsehen wird immer mehr Masse liefern als Online“

Walter Zinggl, Geschäftsführer der IP Österreich, über TV-Formate, Österreich-Inhalte und TKPs.

Werden die Sender der IP in Zukunft frei von eigens produzierten Österreich-Inhalten bleiben?

Wir kalkulieren das Thema im Moment gerade. Die Frage ist: Bekomme ich dadurch einen Mehrwert? Die Kollegen in Deutschland produzieren ziemlich gutes Fernsehen. Jede Stunde, die ich durch österreichischen Content ersetze, muss nicht nur die Produktionskosten hereinspielen, sondern auch etwas „on top“.

In welchem Bereich sehen Sie hier besonderes Potential?

Natürlich gehen wir alle davon aus, dass das keine Formate sein werden, die um neun Uhr morgens ausgestrahlt werden. Wenn man etwas macht, geht es sicher um die Zeitzone zwischen 17 und 23 Uhr. Das bedeutet aber auch, dass die Latte noch höher liegt. Denn genau hier laufen die Formate, die auch in Österreich gute Marktanteile erzielen. Möglich ist es auch bei Sendern, die in Österreich im Moment noch gar nicht vermarktet werden. Aber auch damit sind hohe Kosten verbunden. Deswegen sehen wir uns all das sehr genau an und nehmen uns dafür auch die Zeit, die wir brauchen.

TV und Online nähern sich an. Wird es zu einer Nivellierung der TKPs kommen?

Bevor das passiert, müssen wir uns noch über konvergente Währungen einigen – Für die nächsten vier, fünf Jahre ist das wahrscheinlich das spannendste Thema für die Branche. Eine idente TKP-Höhe wird es aus meinem Dafürhalten aber nie geben, weil ich davon ausgehe, dass Fernsehen immer mehr Masse liefern wird als Online. Aber eine Angleichung mag kommen

Für TV wünschen Sie sich einen höheren TKP. Welche Zahl wäre realistisch?

Eine Erhöhung des Brutto-TKPs um 15 Prozent könnte man relativ einfach umsetzen. Die Frage ist, was Netto herauskommt. Wenn wir bei einem Werbemarkt-Anteil von 30 Prozent sind, sollten die TKPs schon um zehn bis 15, vielleicht auch 18 Prozent steigen. Das hängt allerdings auch von den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Sehen Sie für TV-Sender in Zukunft zusätzliche Erlösfelder?

Seit zehn, zwölf Jahren haben wir ein sehr umfangreiches Bukett an Erlösfeldern. Im Moment sehe ich nicht, dass hier etwas extrem neues dazukommt.

Welche Herausforderungen kommen aktuell auf den TV-Markt allgemein und die IP-Sender im Speziellen zu?

Wir haben aktuell eine Phase des Umbruchs, was die Fernseh-Formate betrifft. Quer durch alle Sender sehen wir, dass die Erfolgsformate der letzten Zeit etwas in die Jahre gekommen sind – zum Beispiel Casting-Formate. Neben der Hochzeit der Casting-Formate geht auch die Hochzeit der US-Serien zu Ende. Ich glaube, dass im fiktionalen Bereich die Zeit der Europäer wieder kommt. Man muss sich ja nur die Produktionsvolumina ansehen, die am europäischen Markt umgesetzt werden. Oder auch die Marktanteile, die mit europäischen Serien erzielt werden. Ich kann mich aber auch völlig täuschen und es kommt tatsächlich die Zeit der Asiaten…

Was wird Casting-Formate und US-Serien ersetzen?

Das ist schwer zu sagen. Für einige Zeit sah es so aus als würde in Fantasy-Serien im Gefolge vom „Herrn der Ringe“ wie etwa „Game of Thrones“ ein kleiner Trend erkennbar sein. Das hat sich offensichtlich nicht wirklich durchgesetzt. Aber ich habe eine Vermutung: Wenn man sich ansieht, was derzeit im Buchmarkt passiert, scheint die Verknüpfung von Mystery bzw. esoterisch Angehauchtem und aktuellen Entwicklungen in der Wissenschaft interessant zu sein. Spannend wird, wie das in einem TV-Format aussehen wird, das man auch über längere Zeit ziehen kann.

Gebührenfinanzierung oder Haushaltsabgabe – welches Modell gefällt Ihnen besser?

Es wäre logisch, zu sagen: Es gibt pro Haushalt eine Abgabe, weil Österreich eine öffentlich-rechtliche TV-Sender-Gruppe braucht. Aber wenn man den ORF auf eine gesicherte Basis stellt, sollte man auch darüber nachdenken, im Werbemarkt-Bereich ein paar Einschränkungen einzuführen.

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2013  unter dem Titel „Fernsehen wird immer mehr Masse liefern als Online“ erschienen im „Medien Manager„.

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