Reinhold Gmeinbauer: „Wir sind kein Magazin-Verlag“

Reinhold Gmeinbauer experimentiert in der Medecco mit Bewegtbild.

In den vergangenen Monaten war Reinhold Gmeinbauer vor allem damit beschäftigt, die Medien Architektur Aktuell, Parnass und Datum, sowie einen Buchverlag und eine Kommunikations-Agentur zu „festigen“, wie er sagt. Man habe einen „Brückenkopf gebaut“, damit das Unternehmen Medecco auf einer „guten Struktur“ weiterwachsen kann. Im Herbst stehen nun erste Änderungen an, vor allem bei Architektur Aktuell. Mittelfristig scheint Gmeinbauer seine junge Medienholding außerdem multimedial aufstellen zu wollen: Im Portfolio der Medecco könnten in Zukunft Bewegtbild-Inhalte auftauchen. Auch Neugründungen sind möglich, verrät Gmeinbauer im Interview.

Sie bezeichnen die Medecco als „Medien-Boutique“ – was meinen Sie damit?

Wenn ich in eine Boutique gehe, dann habe ich Marken wie Armani, Dolce & Gabbana oder Louis Vuitton. Marken, die für ausgewählte Produkte von hoher Qualität stehen. Und genau das trifft auch auf die Medecco zu. Hohe Qualität bei Inhalt und Design. Das bedeutet auch, dass wir genau wissen, wen wir ansprechen wollen. Unsere Zielgruppe ist hoch gebildet und hat ein hohes Einkommen. General-Interest-Magazine kommen immer mehr ins Schwanken. Bei uns weiß der Käufer immer, welchen Nutzen er von uns bekommt. Und die Werbekunden wissen, welche Leserinnen und Leser bzw. Nutzerinnen und Nutzer sie ansprechen können.

Die Medecco zeichnet sich also vor allem durch eine klar definierte Zielgruppe aus?

Wenn wir eine Marke kaufen oder uns an einer beteiligen, dann stellen wir uns folgende Frage: Kann man um diese Marke eine Community entwickeln, die auch monetarisierbar ist? Ein gutes Beispiel ist Architektur Aktuell. Hier haben wir auf der einen Seite Architekten, Bauingenieure oder auch Architektur- und Bauingenieur-Studenten. Und auf der anderen Seite stehen Anzeigenkunden, für die Architekten eine wesentliche Zielgruppe sind, weil sie wollen, dass ihr Produkt verwendet wird. Das ist eine ideale Situation.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob eine Marke für die Medecco interessant ist?

Wie schon erwähnt: Hohe Qualität. Und die Zielgruppe muss monetarisierbar sein.

Welche Medienprodukte sind für Sie nicht interessant?

Ganz allgemein der Massenmarkt. Ein Produkt, wo die Zielgruppe nicht klar definierbar ist, interessiert uns nicht.

Kommen auch andere Mediensparten als Print infrage?

Wir sind kein „Magazin-Verlag“, wie immer wieder gemeint wird. Uns ist es wichtig, von Medienmarken zu sprechen. Da ist es uns egal, ob das Print ist, digital oder Bewegtbild. Das kommt alles infrage.

Welche konkreten Pläne haben Sie hier?

Es gibt Pläne, mit einer unserer Marken auch Bewegtbild zu produzieren. Das ist derzeit in der Überprüfung. Der Pilot wird jetzt gerade gedreht. Wir werden sehen, was wir damit in Zukunft tun werden …

Von welcher Marke sprechen Sie?

Von Architektur Aktuell.

Ist es das Ziel der Medecco, Medienmarken zu erwerben und diese dann multimedial auszubauen?

Ziel ist sind der gesamte Medienbereich sowie mediennahe Bereiche. Und hier gilt es, die Marken 360 Grad zu entwickeln. Also: Der Fokus liegt nicht ausschließlich auf Print.

Werden Sie für die Medecco auch nach größeren Fischen angeln?

Auch hier sind wir in jede Richtung offen.

Wird die Medecco bei weiteren mediennahen Unternehmen einsteigen?

Derzeit sehen wir uns sehr viele Projekte genau an. Wir überprüfen außerdem den Markt. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass wir auch etwas gründen.

Neugründungen sind also geplant. Wann?

Nun, geplant… Wir prüfen. Wir schließen nichts aus.

Einerseits Medienmarken, andererseits mediennahe Unternehmen – Wohin wird sich die Medecco in den kommenden Jahren eher entwickeln?

Wir sind nach beiden Seiten gleich offen. Aber welche Gewichtung am Ende der Strecke rauskommt, kann ich Ihnen heute nicht sagen. Klar ist, dass wir weiter wachsen werden. Aber wir werden nicht alles, was uns angeboten wird, kaufen. Mittlerweile hat man uns dutzende Angebote gemacht.

Welche persönliche Vision haben Sie für die Medecco?

Aufgrund dessen, dass wir nichts ausschließen, können wir jede Größe erreichen. Qualität ist mir wichtiger als Größe, aber wir sind auf Wachstum programmiert.

Sind Synergien zwischen den Medienmarken der Medecco geplant?

Natürlich haben wir jetzt eine gemeinsame Buchhaltung, ein gemeinsames Producing und ein zentrales Leser-Marketing. Aber die Marken sind sowohl inhaltlich als auch bei der Vermarktung selbstständig. Und das wird so bleiben.

Werden Sie dieses Jahr neue Medienmarken erwerben oder gründen?

Das ist möglich, aber wir prüfen hier sehr sorgfältig… Im nächsten Jahr wird sicher einiges passieren.

Was darf man noch heuer erwarten?

Wir haben vieles vorbereitet, das nun im Herbst kommen wird. Architektur Aktuell wird im Oktober als App erscheinen und bekommt einen komplett neuen Online-Auftritt.

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2013 unter dem Titel „Wir sind kein Magazin-Verlag“ erschienen im „Medien Manager„.

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