FastCast: Schnelligkeit vor Qualität

Mit FastCast will Harald Hackenberg eine Sparte zwischen Smartphone-Videos und Fernseh-Berichterstattung erobern. Und dabei den online Video-Journalismus revolutionieren. Nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Falls sein Konzept aufgeht

Sie sehen aus wie Journalisten aus einem Science-Fiction-Film. Während sie mit dem Tablet am linken Handgelenk die Kamera steuern, die über ihrer rechten Schulter montiert ist, sorgt die Technik am Rücken unter anderem dafür, dass das Bild scharf und nicht verwackelt ist. Harald Hackenberg ist überzeugt, dass seine Video-Journalisten mit Kamerarucksack in eine neue Marktnische passen. Schneller als ein Kamerateam und qualitativ hochwertiger als ein Handyvideo, will er mit FastCast ein „Leitmedium in dieser neuen Klasse des Journalismus etablieren.“ Das Geschäftsmodell: FastCast soll eine Video-Newsagentur werden, die Medienunternehmen mit kurzen Clips beliefert. Derzeit sei man vor allem mit ehemaligen Print-Medien, die nun online mehr Bewegtbild machen wollen, in „engen Gesprächen“, so Hackenberg. Noch berichten die beiden FastCast-Redakteurinnen fast ausschließlich von Events. Das soll sich aber bald ändern: „Sobald das Redaktionsnetz gut genug ist, um auf aktuelle Ereignisse reagieren zu können, werden wir laufend FastCasts zu chronikalen und politischen Ereignissen bringen“, kündigt Hackenberg an. Society-Berichterstattung sei weiterhin geplant – auch, wenn es für eine Zusammenarbeit mit Dominic Heinzl derzeit „kein konkretes Modell“ gibt. Wenn Hackenbergs Strategie aufgeht, wird FastCast bereits in zwei Jahren die wichtigsten urbanen Regionen in Europa abdecken. „Und in fünf Jahren soll es uns weltweit geben.“ Möglich sei das vor allem durch die geringen Kosten und die ausgeklügelte Technik, durch die man sehr schnell kurze Videos bereitstellen kann.

Für Elke Glassner hat die Idee durchaus Potential. Die Bereichsleiterin TV an der FH-Wien merkt aber auch kritisch an: „Je besser Smartphones werden, umso weniger wird das Konzept FastCast vermutlich aufgehen.“ Außerdem dürfe man das Team rund um einen klassischen Fernseh-Redakteur nicht nur aus technischer Sicht nicht unterschätzen. So diskutiert ein Redakteur einen Beitrag beispielweise meist mit dem Kameramann. „Wenn ich nun aber alleine vor Ort bin und unter hohem Zeitdruck arbeiten muss, lieg eine große Last auf meinen Schultern – und das sind nicht nur die 10 Kilo, die der ‚Rucksack‘ wiegt.“ Während Hackenberg argumentiert, dass die Technik den Journalisten viel Arbeit abnimmt, sieht Glassner das genaue Gegenteil: FastCaster müssten ganz besonders gut ausgebildet sein, um qualitativ hochwertige Beiträge liefern zu können.

Rund fünf Millionen Euro sind laut Hackenberg in die Entwicklung von FastCast geflossen. Das fertige Equipment und die laufenden Produktionskosten seien allerdings vergleichsweise günstig. „Was den aktuellen Aufwand betrifft, werden wir mit der österreichischen Redaktion schon im Frühjahr 2014 auf der schwarzen Null sein.“

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2013  erschienen im „Medien Manager„.

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