Apple: Der Gatekeeper in der digitalen Trafik

Ob und wie Apple Medien in seinem Zeitungskiosk promotet, kann sich dramatisch auf die Downloadzahlen auswirken, wie sich bei WirtschaftsBlatt HD zeigt

Als Alexis Johann erfuhr, dass Apple einen digitalen Zeitungskiosk plante, der auf neuen Endgeräten vorinstalliert war, wusste er: „Da müssen wir dabei sein“. Bald darauf stellte Apple die App des WirtschaftsBlatts prominent in die Auslage. „Und die Downloadzahlen sprangen innerhalb kurzer Zeit von rund 10.000 Installationen auf rund 100.000 Installationen“, sagt der Geschäftsführer der styria digital one. Das Beispiel WirtschaftsBlatt HD zeigt gut, welche Macht das Unternehmen mit der Platzierung einzelner Titel in den virtuellen Trafik-Regalen hat. Die Gatekeeper-Rolle entsteht nicht alleine durch den digitalen Zeitungskiosk, sondern auch dadurch, dass Apple „in diesem Auslagen schafft“, wie es Johann formuliert.

Von 1.000 auf 100 Downloads

Was das im Umkehrschluss bedeuten kann, hat Johann mittlerweile ebenfalls erlebt. Aktuell wird WirtschafsBlatt HD im Apple-Zeitungskiosk nämlich deutlich weniger prominent dargestellt als früher. Ein Umstand, der sich negativ auf die Downloadzahlen ausgewirkt hat, stellt Johann fest. „Wir sind heute bei rund 100 Downloads pro Tag. Eine ‚Vollpromotion‘ auf der Startseite würde aktuell durchschnittlich 500 bis 1.000 Downloads pro Tag bringen, manchmal sogar noch mehr. Und ohne Promotion wären es vielleicht zehn.“

Apple: „no comment“

Nach welchen Kritieren Apple entscheidet, welche Apps gefeatured werden und welche nicht, will der Konzern nicht verraten. In gewohnter Manier heißt es auf eine diesbezügliche Anfrage: „Apple macht zu internen Entscheidungsabläufen grundsätzlich keine Angaben, daher ’no comment‘.“ Alexis Johann berichtet allerdings, dass Apple die Medien-Apps nicht willkürlich auswählt: „Apple hat dafür eine eigene Redaktion, die selbstständig und unabhängig arbeitet. Sie lässt sich nicht durch Geld oder Umsatzströme beeinflussen“, so Johann. Hauptkriterium sei die „User-Experience“ – damit eine App auf der Startseite beworben wird, muss sie jedenfalls die aktuellen Design- und Usability-Standards von Apple erfüllen. Johann vermutet allerdings, dass es durchaus einen indirekten Zusammenhang geben könnte: Publishern, die auf das Bezahl-Modell von Apple setzen und dem Konzern damit eine Provision bescheren, könnte Apple durch eine besonders gute Platzierung zu mehr verkauften Exemplaren verhelfen.

Wenn Apple einmal weniger erfolgreich als heute sein sollte, kann sich Alexis Johann durchaus vorstellen, dass das Unternehmen auch Werbeplätze im Zeitungskiosk verkauft. Und sollte dies einst der Fall sein, „wird das eines der erfolgreichsten Werbemodelle in der digitalen Welt sein.“

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2013  unter dem Titel „Der Gatekeeper in der digitalen Trafik“ erschienen im „Medien Manager„.

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