Facebook und Radio – Fluch oder Segen?

Radiosender können auf Facebook ihre Marken stärken. Aber Social Media bringt auch Herausforderungen mit sich.

Ein einziges Posting auf einer österreichischen Facebook-Seite, das mehr als 1,3 Millionen Mal kommentiert wird. Was nach dem Wunschtraum eines Social-Media-Experten klingt, gelang Kronehit laut eigenen Angaben vergangenen November. Und zwar mit dem „Kronehit 10.000 Euro Facebook-Posting“. Der „Trick“: Wem es gelang, dass sein/ihr Kommentar für mehr als drei Minuten unkommentiert blieb, sollte 10.000 Euro gewinnen. Da dies nicht eintrat, wurde das Preisgeld schließlich unter den Usern verlost. Für Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda war das „Experiment“ ein voller Erfolg: „Der virale Effekt war sehr stark und unsere Community begeistert – vielen Hörerinnen und Hören hat die Aktion einfach Spaß gemacht. Selbst nachts wurde immer weiter kommentiert.“ Außerdem, sagt Sowoboda, habe man gesehen, „dass man durchaus tolle Promotions auf Facebook machen kann, auch wenn man sich strikt an die Regeln des Social Networks hält.“

Dabei kann man in der Kombination von Facebook und Radio durchaus Spannungen sehen. Breaking News verbreiten sich über Social Media zum Beispiel häufig schneller als im Radio darüber berichtet wird. Swoboda relativiert allerdings: „Die Nachrichtenkompetenz von Radio ist längst zurückgegangen. Heute steht die Unterhaltungsfunktion viel stärker im Vordergrund. Diese Entwicklung hat lange vor Facebook begonnen“ Wer sich informieren will, so Swoboda, wird wohl nicht das Radio einschalten, sondern eine Nachrichtenwebsite aufrufen. Judith Denkmayr, die mit Digital Affairs die technisch nicht ganz einfache Überwachung und Auswertung der Kommentare der 10.000-Euro-Aktion durchführte, sieht das ähnlich. Relevante Kannibalisierungs-Effekte kann Denkmayr keine erkennen. Sie ist vor allem davon überzeugt, dass sich Facebook ideal eignet, um Radiosender als Marken zu stärken.

Fest steht allerdings: Facebook weist gegenüber Radio einen ganz grundsätzlichen Unterschied auf, der auch zur Herausforderung wird: Das Medium ist visuell. Viele andere klassische Medien sind gewohnt, Bild-Inhalte zu produzieren. Radio kam lange weitgehend ohne Bilder aus. Denkmayr gesteht zwar ein: „Natürlich ist es nicht das Kerngeschäft eines Radiosenders, Bild-Content zu produzieren.“ Sie glaubt allerdings, dass man in den vergangenen Jahren allgemein gelernt habe, für das Internet visueller zu denken. „Klar, Social Media stellt bestimmte Anforderungen“, sagt Swoboda. „Allerdings ist Radio längst zu einem, sozusagen, multimedialen Medium geworden.“ Man würde bereits seit einiger Zeit neben Streams, Podcasts und Chats auch Fotos und Videos produzieren. Denkmayr weist allerdings darauf hin, dass viele großen Unternehmen mittlerweile Menschen anstellen würden, die sich über die Bildsprache des Unternehmens und visuellen Content Gedanken machen. „Solche Posten könnte es in Zukunft auch für Radiosender geben“, sagt Denkmayr.

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2013  erschienen im „Medien Manager„.

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