Comic-Journalismus: Gezeichnete Geschichten

In den USA scheint Journalismus in Comic-Form einen kleinen Trend zu erleben. In Österreich spielt Comic-Journalismus aber keine große  Rolle

Es sind keine leicht verdaulichen Storys, die der Journalist Joe Sacco veröffentlicht. Er berichtet unter anderem über Massaker im Gazastreifen, über die Prozesse am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und über unerwünschte Flüchtlinge in Europa. Und zwar in Form von Comics. Sacco zeigte bereits vor mehr als zehn Jahren, dass sich das Medium Comic auch für journalistische Inhalte eignet, weitab von Zeitungscartoons und Micky Maus-Heften.

Mainstream sind gezeichnete Geschichten bis heute nicht, ein kleiner Trend zum Comic-Journalismus lasse sich aber durchaus erkennen, glaubt Thomas Wolkinger, der an der FH Johanneum unter anderem Vorlesungen zum Thema gehalten hat. „Journalistische Comics sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich Journalismus insgesamt diversifiziert“, ordnet Wolkinger das Phänomen ein.

Während journalistische Comics in deutschsprachigen Zeitschriften und Zeitungen nur als vereinzelte Experimente vorkommen, gibt es nun schon die zehnte Ausgabe des zweimonatlich in Englisch erscheinenden Symbolia Magazine. Das Magazin kann man als PDF oder für das iPad downloaden, ein Jahresabo kostet 11,99 Dollar. „Wir haben aktuell 1.500 Abonnenten und ungefähr 15.000 User griffen bisher auf unsere kostenlosen Inhalte zu“, schreibt Herausgeberin Erin Polgreen. Im E-Mail-Interview bestätigt sie zwar, dass es relativ lange dauert, bis ein journalistisches Comic fertiggestellt ist und die spezielle Form des Journalismus vergleichsweise viel Aufwand bedeutet. Sie ist aber davon überzeugt, dass diese Ausprägung des visuellen Journalismus ideal geeignet ist, um auf Internetplattformen wie Tumblr geteilt zu werden. „Das wiegt die große Investition von Geld und Zeit auf“, schreibt Polgreen. Wolkinger sieht einen der wesentlichen Vorteile für Verleger vor allem im Differenzierungsmerkmal, das mit dem ungewöhnlichen Medium einhergeht.

Die Form des Comics bringt allerdings auch bestimmte Rahmenbedingungen und Grenzen mit sich. Laut Polgreen sind journalistische Storys, die sich um eine konkrete Person oder einen bestimmten Ort drehen, relativ gut geeignet. Als ideale Themen bzw. Ressorts nennt sie Reisen, Kultur und Wissenschaft. Weniger gut würden sich Inhalte mit viel Text- bzw. Dialog eignen, etwa reine Interviews, die es zu bebildern gilt.

Die Symbolia Magazine-Herausgeberin stellt fest, dass Comic-Journalismus in den USA mehr und mehr auch von traditionellen Medien ernstgenommen werde. „Redakteure gewöhnen sich daran, multimediale Inhalte zu produzieren und sie lernen, wie Leserinnen und Leser auf visuelle Arbeiten reagieren““ Dass journalistische Comics in der österreichischen Medienwelt nach wie vor nicht wirklich vorhanden sind, erklärt Wolkinger auch mit einem „kulturellen Rezeptionsnachteil“. Comics würden hierzulande nach wie vor als „lustig“ und „unseriös“ wahrgenommen werden.

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2014  unter dem Titel „Gezeichnete Geschichten“ erschienen im „Medien Manager„.

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