Augmented Reality: Wenn der Artikel aus der Zeitung wächst

Einschläfernde Podcasts, langweilige TV-Sendungen, Malbücher für Erwachsene – Abschalten als Medientrend.

Link zum Artikel. So mancher Leser der Washington Post wird am 10. Mai dieses Jahres überrascht gewesen sein: Wer sein Smartphone auf das Logo neben dem Artikel über den Tod von Freddie Gray richtete, dem wuchs eine 3D-Grafik entgegen. Selbst wenn man sein Handy oder die Zeitung bewegte, blieb die computergenerierte Illusion verblüffend realistisch mit dem Logo verbunden.

Das Augmented-Reality-Projekt setzte sich mit der umstrittenen Festnahme von Freddie Gray auseinander. Der Afroamerikaner war im April 2015 festgenommen worden und hatte dabei so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er eine Woche später starb. Durch die Augmented-Reality-App kann man sehen, wie Gray von Polizisten auf den Boden gedrückt und abtransportiert wird; neben den dreidimensionalen Grafiken führt eine Erzählstimme durch das Geschehen.

Mehr als ein Gimmick. Augmented Reality (AR) ist nicht neu. Die Technologie wird immer wieder verwendet, um Inhalte klassischer Medien aufzupeppen. Erst kürzlich setzte das Magazin The New Yorker auf AR: Wer das Cover der Ausgabe vom 16. Mai durch eine App betrachtete, erlebte eine animierte Version der Titelillustration samt 3D-Effekten.

„Uns ging es um mehr als nur darum, etwas Neues zu machen“, sagt Dan Archer. Er hat den AR-Inhalt für die Washington Post produziert und sich mit seinem Start-up Empathetic Media auf Augmented  Reality und Virtual Reality (VR) spezialisiert. Mithilfe von AR könnten Journalisten ihren Lesern ermöglichen, ein Ereignis selbst aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, so Archer. Das Medium würde sich außerdem gut eignen, um Größenverhältnissezu verstehen. „Augmented Reality kann Überblick und Kontext geben“, sagt Archer. Er glaubt, dass sich AR darüber hinaus auch gut als „interaktiver Teaser für eine Story“ eigne – die wichtigsten Punkte könnten auf einen Blick begreifbar gemacht werden.

AR vs. VR. Verglichen mit VR sei der Produktionsaufwand bei AR-Projekten deutlich geringer. Für viele User falle zudem eine Barriere weg. AR könne man auch erleben, ohne dass man sein Smartphone in eine spezielle Hülle aus Karton oder Kunststoff stecken muss. Unterschätzen sollte man den Aufwand rund um AR-Inhalte aber dennoch nicht. So seien Medienhäuser durchaus unentschlossen, wo, wann und wie sie die Technologie am besten einsetzen sollen. Außerdem sei es eine große Herausforderung gewesen, die App möglichst klein zu halten, sagt Archer.

Der Journalist arbeitet bereits an mehreren weiteren AR-Inhalten. Weitgehend fertiggestellt hat er ein Projekt rund um das Imperium von Donald Trump. Hier werden Golfanlagen und Hochhäuser in die Höhe wachsen. Donald Trump’s Empire wurde für die Nachrichtenagentur Associated Press produziert. Veröffentlichungstermin? „Hoffentlich bald“, sagt Archer.


2016  unter dem Titel „Wenn der Artikel aus der Zeitung wächst“ erschienen im Medien Manager.

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