Die Medienhäuser von morgen

Technologische Innovation, journalistische Kernkompetenz und die geschickte Verbindung von alten Strukturen und neuen Ideen – was traditionelle Medienunternehmen von Medien-Start-ups lernen können

Link zum Artikel. News, personalisiert und auf den Punkt gebracht: „Updatemi“ fasst Artikel in einem Bild, einer Headline und sechs Aussagen zusammen, die je nicht länger als 65 Zeichen sind. Vor Kurzem wurde bekannt, dass der ORF mit dem Start-up kooperiert. Genaues will Mitbegründer und CEO Michael Hirschbrich nicht verraten. Nur so viel: „Da geht es um Technologie.“ Auch wenn Updatemi auf den ersten Blick wie ein Medien-Start-up aussieht – „Wir sind ein Technologieunternehmen“, stellt Hirschbrichklar. Die aktuelle App sei nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten der Software dahinter. Ein „hochintelligenter Kern“ aus knapp 40 Verfahren erkenne wichtige Aspekte und fasse diese verständlich zusammen. In Zukunft könnte das nicht nur Journalisten unterstützen (und ersetzen), sondern beispielsweise auch Managern beim Sichten ihrer E-Mail-Postfächer helfen.

„Updatemi würde als reines Medien-Start-up nie gestattet sein“, sagt Hirschbrich. Um heute als Start-up im Medienbereich erfolgreich zu sein, brauche man mehr als klassische journalistische Inhalte: „Der Added Value wird zum Core Value“.

Recherche als Dienstleistung. Florian Skrabal konzentriert sich mit seinem Medien-Start-up auf einen klassischen journalistischen Kernwert: intensive Recherche. Mittlerweile ist die Investigativ-Plattform „Dossier“ fast vier Jahre alt. Das aktuelle Jahresbudget beträgt laut Skrabal 150.000 Euro. Kooperationen und Mediendienstleistungen machen rund zwei Drittel der Einnahmen aus, ein Drittel komme von Spenden, Mitgliedschaften und der Dossier Academy. Recherche als Dienstleistung scheint für Dossier derzeit vergleichsweise gut zu funktionieren. Skrabal sieht dabei vor allem folgenden USP: Die Verbindung von traditionellem Handwerk mittechnologischem Know-how. Dass Redaktionen gerne auf die Unterstützung des Dossier-Teams zurückgreifen, liegt wohl auch daran, dass Redaktionen immer kleiner und Korrespondentenbüros immer weniger werden. „Je mehr Medien im Ausland sparen, umso mehr können wir zuliefern.“ Bei der journalistischen Arbeit für Medien aus Österreich ist Skrabal allerdings weiterhin zurückhaltend – investigative Recherche solle nicht aus Kostengründen aus bestehenden heimischen Redaktionen ausgelagert werden.

Alt und neu. Im August hat „Trending Topics“ ersten Geburtstag gefeiert. Jakob Steinschaden, der mit 1. Oktober zur ORF-Start-up-Tochter Futurelab261 wechselt, konzipierte das Branchen-Portal mit Start-up-Charakter der Branchenzeitung Horizont (Manstein Verlag). Als „Medien-Start-up“ will er Trending Topics nicht bezeichnen. „Es ist ein Digitalprojekt des Verlags.“ Diesen hinter sich zu haben, bringe viele Vorteile mit sich, erklärt er. Etwa bei der Finanzierung oder auch bei Ressourcen wie Foto-Content, IT und bei der Vermarktung, „bis zur Möglichkeit, die Reichweite der etablierten Medienmarke für den Aufbau der neuen Marke zu nützen“. Als kleiner Ableger gäbe es aber auch Herausforderungen. „Vor allem Zeit-Management und inhaltliche Abst immung“, so Steinschaden. Und: „Wichtig ist, einem jungen Pflänzchen soviel Luft zu geben wie möglich, und das ist auch passiert.“


2016 erschienen im Medien Manager.

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