Quadratisch, kurz, stumm

Facebook-Videos als Herausforderung für Fernsehnachrichten

Link zum Artikel. Videos immer und überall – egal ob man sich gerade die Zähne putzt, in der U-Bahn steht oder in einem Wartezimmer sitzt. Die mobile Videonutzung bringt dabei neue Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel viele unterschiedliche Bildschirme, mal im Hoch-, mal im Querformat. „Facebook-Videos machen wir grundsätzlich quadratisch“, sagt Martin Wolfram, Geschäftsführer Creative der Videoagentur News on Video. Herausforderung Nummer zwei: Die Clips sollten auch ohne Ton funktionieren. Daher: „Ein Video auf Facebook muss untertitelt sein“, sagt Wolfram. Auch inhaltlich sollten Videos an das Medium Facebook angepasst werden.“ Fürs Fernsehen gilt die Regel, dass die Geschichte in den ersten 15 Sekunden etabliert werden sollte. Bei Facebook sind wir bei drei Sekunden.“ Damit die Videos auch bei schlechtem Empfang abgespielt werden können, sollten sie außerdem möglichst komprimiert sein.“ Eine durchschnittliche ZiB 100 ist rund 15 MB groß. Das ist für 100 Sekunden extrem wenig“, sagt Patrick Swanson, der das Format für den ORF entwickelt hat.

Format als Herausforderung. Gut gemachte Facebook-Videos entstehen nicht beiläufig – auch dann nicht, wenn es sich um den Facebook-Auftritt einer Fernsehnachrichtensendung handelt. „Bei Onlinevideos sagt man schnell: ‚Naja, das darf ja eh ein bisschen amateurhaft ausschauen, das kann man doch nebenbei machen.‘ Das finde ich nicht.“ Für die ZiB 100 sei täglich ein Redakteur verantwortlich, sagt Swanson. „Dieser schreibt die Sendung, schneidet und animiert sie und publiziert sie dann auf den verschiedenen Plattformen. Es ist also ein relativ vollgepackter Dienst.“ Beim Schneiden der Sendung sei vor allem das Format immer wieder eine Herausforderung. Die ZiB 100 hat Maße, die fürs Fernsehen ungewöhnlich sind: Sie kommt im Hochformat daher.“ Es ist selten so, dass Querformat-Aufnahmen so ideal gefilmt sind, dass wir nichts mehr ändern müssen“, sagt Swanson. Das Format Nachrichtensendung sei hier allerdings ein Vorteil: „Bei uns kommen viele Politiker vor. Und Menschen sind höher, als sie breit sind, eignen sich also gut fürs Hochformat. Fußball ist dagegen schon eine Herausforderung für uns …“

Konkurrenzmedium. „Man muss Facebook nicht mehr verlassen, um österreichische Videonachrichten zu bekommen – unter anderem, weil es Angebote wie die ZiB 100 gibt“, sagt Corinna Milborn. Die PULS-4-Infodirektorin sieht das kritisch.“ Bis vor einem halben Jahr konnten wir Links zu unseren Sendungen posten – damit waren Aufmerksamkeit und Werbegeld bei uns“, sagt Milborn. Jetzt müsse man als privater Fernsehsender wohl oder übel mit dem ORF mitziehen und Videoinhalte direkt auf Facebook stellen. Das bedeute auch: „Jemand, der recherchieren könnte, muss jetzt Videos für Facebook untertiteln.“ Milborn findet, dass sich Medienhäuser stärker darauf konzentrieren sollten, selbst neue Angebote zu entwickeln. „Es gibt eine Grenze zwischen Facebook als Plattform zur Bekanntmachung für unsere Produkte und Facebook als Konkurrenzmedium. Und ich glaube, wir haben diese Grenze überschritten.“


2016 erschienen im Medien Manager.

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